Michael

Der Film zeichnet das Bild, dass ihm der Weg, der größte Popstar zu werden, eingeprügelt wurde, wodurch ihm die Unschuld der Kindheit durch seinen despotischen, körperlich und emotional gewalttätigen, lieblosen Vater genommen wurde.

Mit Bad hört der Film auf, also genau vor seinem Auszug und bevor er die Neverland-Ranch baute. Das ist in Ordnung für mich. Zwischendrin bin ich öfter fast eingeschlafen, weil es doch recht lange Dialogszenen gibt, in denen nicht viel geredet wird. Das soll die Emotionalität zwischen Vater und Sohn und das Aushalten der Spannung deutlich machen, und Michaels nette und freundliche Seiten zeigen.

Das Ziel des Films ist die Idealisierung der Person. Ein Film für Fans, also. Wirklich rund wäre er geworden, wenn man die Geschichte weitererzählt hätte. Es wäre noch nicht einmal nötig gewesen, viel zu zeigen, die moralische Fragwürdigkeit seines Weltbildes und seiner Einstellung zu Kindern und Liebe hätte schon gereicht. An der Stelle docken die Fans an, und gehen mit. Die Kritiker sagen zu recht, dass das naiv und verblendet ist.

Prince und Michael Jackson hatten eine erstaunlich ähnliche Biografie, und von außen sah ihr musikalisches Schaffen wie ein Kopf-An-Kopf-Rennen aus. Beide standen Anfang der 90er vor dem Problem, dass Hip-Hop die schwarze Musik bestimmte, und nicht mehr die Grundlage ihrer Musik. Beide haben ihre Welt gebaut und geschaffen und dort ihre persönlichen Freiheiten ausgelebt. Unterschiedlich in ihrem Verhalten, ihrem Umgang mit sich selbst. Prince Welt war die der Sexualität und Kontrolle, also eine Erwachsenenwelt. Michael Jacksons Welt war eine Kinderwelt.

Diese Tragik ist vielleicht das, was Fans zu Michael Jackson halten lässt. Diese Möglichkeit, die Dinge anders zu sehen. Vielleicht liegt gerade darin das Verrückte am menschlichen Verhalten, sich vorzustellen, wie man sich anders verhalten könnte. Nur ist irgendwann der Punkt erreicht, an dem man sich selbst belügt, und damit leugnet. Was vielleicht Hoffnung war, wird dann Leugnung. 

Der Film erzeugt Mitleid. Mitleid ist aber ein einzelnes Gefühl, und wer nur mitleidet, sieht nur eine Seite. Genau da docken die Fans an, und genau das ist das Gegenteil von dem, was einen Menschen reif macht: mehrere Gefühle gleichzeitig aushalten können, das Mitleid und das Urteil. Idol und Fan ziehen in dieselbe Richtung, eine andere Version können sie sich nicht leisten, weil sie das Bild zerstörte.

Die vierteilige Doku Michael Jackson – Der Jahrhundert-Prozess kann ich empfehlen.

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